Magical Mystery Skitour
am 26. und 27. Februar 2005

von Angelika Schmid

Leider kann unser bewährter Organisator INGO diesmal nicht selbst mitfahren. Die Ärztin meint "Arbeiten ist OK, aber eine Skitour sollte er auf alle Fälle sein lassen". Nach gründlicher Vorbereitung hat er zur Durchführung an Stefan Redlbeck übergeben, bei dem wir natürlich auch in guten und geübten Händen sind.

Am Samstag früh um 6.15 Uhr treffen sich zehn Tatenhungrige am Nürnberger Hauptbahnhof in der Mittelhalle und wissen (außer Stefan) wie immer nicht, wohin es geht. Als Claudia mich sieht, meint sie "Das ist ein gutes OMEN, dass Du dabei bist, Du hast mir schon beim Kajakfahren so gute Tipps gegeben (für sie ist es die erste Skitour und der erste Tiefschnee - na ja etwas nervös ist sie schon - aber wer kann ihr das verdenken - beim ersten Mal waren wir das doch alle).

Als uns Stefan das Gleis und den 1. Zug bekannt gibt ist klar - es geht in Richtung Süden. Stefan sitzt nur schmunzelnd da, während unter den anderen das Rätselraten immer lebhafter wird. Seine einzigen Kommentare sind: "Kann schon sein", "verrate ich nicht" und "werdet Ihr schon noch sehen".

Mit Erschrecken habe ich festgestellt, dass ich irgendwie nicht ganz so gut geplant habe, was mein Gepäck anbelangt. Ich bin die einzige mit einem Daunenschlafsack (die anderen haben sich alle auf einen Hüttenschlafsack beschränkt) und die einzige mit einem großen Rucksack - der Rest hat nur einen Tagesrucksack. Das muss ich mir fürs nächste Mal merken.

In München steigen wir in die Bayerische Oberlandbahn (kurz = BOB) um, was die möglichen Ziele schon etwas einschränkt. Gernot tippt auf "Wendelstein", Melanie ist für Rofan und Stefans Kommentare blieben immer noch dieselben (er genießt seine Sonderrolle - nächstes Jahr wird das wieder anders). Endstation für unsere BOB-Fahrt war Schliersee und dann ging's weiter mit dem Bus nach Spitzing.

Jetzt lässt Stefan die Katze aus dem Sack und sagt, dass unser Nachtquartier das Blecksteinhaus ist, wir aber doch erst auf den Gipfel gehen sollten, da die Gefahr, zu groß sei, dass wir beim Auspacken und evtl. Kuchen essen zu viel Zeit verlieren würden. Tja, das war es dann wohl mit meiner geheimen Hoffnung, das Gepäck zu erleichtern - aber da muss ich jetzt durch.

Bevor wir losgehen, gibt Stefan eine kurze Anweisung. Die Spur ist schon gelegt, da mache ich mich gleich mit Claudia im Schlepptau
auf den Weg. Als es dann an die Spitzkehren geht und ich gerade anfangen will, es Claudia zu zeigen, meint Stefan "geh Du nur zu - wir machen das schon" und übernimmt somit die Schulung. Die Spur war schön fest, wenn auch ganz schön steil - aber dank Stefans Entscheidung konnte ich von Anfang an mein eigenes Tempo bestimmen - schön langsam und gleichmäßig und die ganze Truppe mit etwas Abstand (also auch kein Drängen) hinter mir - psychologisch sehr wertvoll.

Bei meinen prüfenden Blicken zurück war die Gruppe immer in der Nähe. Erst auf einer Lichtung sehe und höre ich auf einmal nichts mehr und beschließe zu warten. Ich bin zwar langsam gegangen, habe aber nirgends eine Pause gemacht. In der Gruppe muss man doch immer wieder an den Kehren etwas warten. Nach ca. 15 Minuten kommt Stefan um die Ecke und meint "Geh ruhig weiter".

Bald kommt mir das Sprichwort "wer rastet, der rostet" in den Sinn, als ich merke, dass meine Kraft weniger wird und ich zu schummeln versuche, indem ich einen Ski wegen der Steilheit etwas schräger halte, da gibt der hier etwas lockere Schnee nach - wieder mal ein Beweis für "Wer bescheißt - verliert".

Da kommt schon eine nette Hütte in Sicht und wir haben sogar Sitzbänke (wie komfortabel), um uns bei einer etwas längeren Pause wieder zu stärken und dann über den Bergrücken den Gipfel zu erklimmen.

Hier ist Clemens mit der bereits vorhandenen Spur nicht immer zufrieden, schert aus und legt teilweise eine Alternativspur. Weiter oben übernimmt dann Stefan die Führung und es geht erst richtig los - eine Spitzkehre nach der anderen und Claudia ruft "Das macht er alles nur wegen mir!" und will sich damit beschweren - umso überraschter ist sie, als Stefans Antwort lautet "Ja - die Rechnung folgt!". Nach einer kurzen Pause legt er noch nach und sagt "Was glaubst Du denn, was so ein Intensivkurs kostet?!?"

Unser Gipfel ist diesmal eine kleine Lichtung im Wald und man kann gar nicht sehen, ob es rechts, links, vorne oder hinten rauf oder runtergeht. Aber wir sind so platt, dass wir es gerne annehmen, als Stefan sagt "Wir sind da - Berg heil!". Rainer gibt ein Gipfelbier aus und dann geht's abwärts.

Wir haben Pulvertiefschnee und - wie wir bereits beim Aufstieg feststellen durften - sehr steile Hänge. Wir fahren und purzeln so nach unten aber keiner tut sich weh, denn der Pulvertiefschnee ist richtig sanft. Die höchsten Sturzpunkte würde ich persönlich an Melanie vergeben - als sie eine Spitzkehre machen will, um die Richtung zu ändern, verliert sie das Gleichgewicht und macht einen Salto kopfüber direkt nach unten, dann kommen die Skier nach und zum Schluss steht sie gleich wieder richtig da - ich muss sagen, das war filmreif.

Endlich am Blecksteinhaus ankommen, haben wir uns alle die hausgemachten Kuchen und Strudel verdient. Unser Tisch wird immer voller und Rainer geht zu einem einzelnen Herrn am Nachbartisch und fragt, ob wir seinen Tisch auch haben können. Der sagt "natürlich" und setzt sich woanders hin. Rainer bittet ihn, sich ein Bier auf seine Kosten bestellen, der aber bedankt sich nur und bestellt nichts.

Durch Nachfragen bei Wirt und Wirtin erfahren wir, dass der Mann "Axel" heißt und gerne Apfelschorle trinkt, welche Rainer gleich für ihn ordert. Nach einer gewissen Zeit kommt "Axel" zu uns und überreicht uns als Dank ein Blatt Papier, dessen Inhalt uns alle so sehr berührt, dass ich es Euch nicht vorenthalten will:

"Manche halten Großzügigkeit für Liederlichkeit. Ich nicht.
Ich werde alt und älter. Die Welt wird kalt und kälter.
Noch immer ohne Rast und Ruh' lerne vieles ich dazu!

Meine 4 bzw. 5 G's gehen so:

Gütige Gelassenheit,
Goldener Mittelweg.
Gedämpfter Optimismus
Geduld.

Auf die Berge "muss" ich steigen, die so gerne ich mag leiden.
Wo die wilden Rosen blühn, und die Felsen abends glühn.
Dort beim Kreuz in aller Stille, kräftigt wieder sich mein Wille,
um das alles zu bestehn, was mit UNS noch vorgesehn.

Bei "oben ohne" hilft zweifelsohne die Schneekanone.

Ein schöner Po muss auch aufs Klo.

Dank fürs "Axel-Schorle"


Axel

Mit seiner Vorführung der "fliegenden heißen Pfanne" zieht Bernd alle Aufmerksamkeit auf uns. Als sich die Aufregung wieder legt, erklärt uns Stefan, dass man nach dem Sport immer "Dehnübungen" machen sollte und führt es uns auch vor, wie er seinen Bauch dehnt indem er die Reste des Tisches nacheinander abruft. Später fragen wir den Wirt, welcher Weg in Richtung Rotwand am schönsten ist. Der Weg durch den Pfanngraben sei viel schöner und doch wesentlich weniger begangen als der über den Taubenstein. Spuren sollten allerdings vorhanden sein.

Am nächsten Morgen gibt es ein gigantisches Frühstücksbuffet (ob wir wollen - oder nicht). Übernachtung ohne Frühstück gibt es nur für Bernd, der leider des nächtens mehrfach die Kloschüssel umarmen musste. Alleine zurückbleiben will er jedoch nicht und begleitet uns noch etwas stiller als sonst.

Gut gestärkt marschieren wir los in Richtung Pfanngraben. Als wir den Weg verlassen und in den Hang einsteigen ist doch keine Spur vorhanden. Gernot schlägt vor, dass er mit Spuren anfängt und dann durchgewechselt wird. Die Spur vom Vortag noch im Kopf rufen manche "spur nicht so steil!" und Gernot geht los.

Wie wenn auf einmal jemand eine Bühnenwand weggezogen hätte, wird hinter einem Hügel der Blick freigegeben in den Pfanngraben und ich rufe "Schau mal, wie schön das hier wird" und Michael hinter mir steigt gleich ein in die Schwärmerei - es sieht wirklich aus wie in einem Wintermärchen - die unberührten Schneehügel, die Bäume mit ihren Sahnehäubchen und zwischendrin immer wieder Eis-Wasserfälle. Gernot lässt überhaupt niemanden anderen spuren, wahrscheinlich will er diesen tollen, freien Blick in die unberührte Natur an keinen abtreten. Michael schwärmt immer noch "Wenn da nicht ein dickes Ende kommt, ist das wirklich ein Geheimtipp".

Es geht relativ flach dahin als Michael feststellt "Jetzt sind wir schon 1 ½ Stunden unterwegs und haben noch fast keine Höhe gemacht" Gernot entrüstet sich "Ihr habt doch gesagt, ich soll nicht so steil spuren!" Michael kontert "Musst Du immer alles so wörtlich nehmen?" Also die Stimmung ist perfekt und wir alle glücklich.

Irgendwann ist unser gemütlicher Forstweg zuende, Stefan übernimmt die Führung und steigt in den Steilhang ein - jetzt heißt es wieder Spitzkehren pur und Kommentare wie "Der Gernot hat aber viel flacher gespurt!" sind unumgänglich. Aber Stefan macht seine Sache gut und spurt so gut wie es nur geht. Oben in der letzten Rinne zum Rotwandhaus wird es dann noch ganz schön verzwickt und Claudia muss beweisen, was sie in ihrem "Intensivkurs" alles gelernt hat. Aber die warme Stube mit gutem Essen und Trinken ist ja schon in Sicht.

Als wir wieder rauskommen, stürmt es ganz schön. Gut, dass wir die Felle vorher schon runtergemacht haben und gleich abfahren können - ansonsten wäre es jetzt ganz schön ungemütlich. Wir beginnen mit der Abfahrt auf dem Wanderweg, aber unsere Blicke schweifen rechts und links in die Pulverschneehänge die uns zu rufen scheinen. Als Stefan einen Traumhang nach dem anderen freigibt, ist der Jubel groß. Dann geht's durch den Wald - für Claudia eine harte Prüfung aber für uns ein Genuss. Wenn da nicht der Zeitfaktor im Nacken wäre - um 16.00 Uhr geht unser Bus!

Einmal stellt sich Gernot mit seinem Fotoapparat neben ein kleines Bäumchen und bittet um einen "Stunt". Einer nach dem anderen fährt vorbei - erst Bernd als letzter erfüllt ihm seinen Wunsch und ich breche fast zusammen vor Lachen. Allen Naturfreunden, die jetzt Bedenken haben, kann ich versichern, dass dem Bäumchen nichts geschehen ist - es wurde lediglich seines Schneebelags beraubt als Bernd nicht wie sonst bemüht war, mit beiden Skiern auf derselben Seite des Bäumchens vorbeizufahren.

Als wir dann wieder auf dem Weg ankommen, entscheiden wir uns, ihn nicht mehr zu verlassen - Claudia hatte unter Zeitdruck und nach mehrfachem "sich aus dem Schnee wühlen bzw. graben" nicht mehr so viel Lust und wir hatten ja bereits unseren Genuss.

Unten angekommen, war es 15.40 Uhr und die Entspannung machte sich breit. Aber 16.00 Uhr ward's und kein Bus kam. Clemens nutzte die übrige Zeit und überschüssige Kraft (ich weiß nicht, wo er die herhatte), um gleich neben der Bushaltestelle ein Iglu zu bauen.

Um 17.00 Uhr waren wir in Schliersee am Bahnhof, hatten unseren Zug verpasst und stellten uns auf 35 Minuten Wartezeit ein. Kurz vor der planmäßigen Abfahrt kommt eine Durchsage, dass der Zug auf der Strecke zwischen Bayrisch Zell und Schliersee einen Schaden hat und die Sache mit Ersatzbussen noch nicht geklärt sei.

Die Gruppe teilt sich wieder auf - Clemens baut erneut an einem Iglu - diesmal am Bahnsteig - Michael findet heraus, dass die Toiletten beheizt sind und zieht sich immer mal wieder dorthin zurück. Rainer schaut immer mal wieder zu dem Bus der immer mehr Leute vom Spitzing hierher bringt - die Busfahrer haben wenigstens Funk und teilen uns mit, dass ein Auto in Fischbachau auf dem Bahnübergang steckengeblieben ist und der Zug in das Auto gefahren ist. Die Polizei gibt momentan den Zug noch nicht frei und Ersatzbusse können nicht fahren, da die Straßen gesperrt sind. Inzwischen werden es immer mehr Leute auf dem Bahnsteig.

Die Bahnhofswirtschaft ist geschlossen, seit die BOB privatisiert wurde, also tanzen wir weiter in der Kälte von einem Bein auf das andere. Mit der Zeit wird Willi Michels Lied umgedichtet: "Wir sind die Männer mit einem harten Job - wir fahren mit der BOB!".

Um 19.00 Uhr - also nach 2 Stunden Warten in der Kälte (ca. -10°C) kommt dann der Zug aus München - Gott sei Dank leer und wir bekommen trotz der Menge an Leuten alle einen Sitzplatz. Um 20.00 Uhr sind wir dann in München und stellen fest, dass der nächste Nahverkehrszug erst um 21.20 Uhr geht und um 0.38 Uhr in Nürnberg sein soll.

In Anbetracht dessen, dass nach 0.00 Uhr kein Zug mehr nach Erlangen fährt, beschließt Rainer, Karten für den ICE zu kaufen, 5 Tickets kann er wegen seiner Bahn-Card zum halben Preis kaufen - den Rest zum Normalpreis - dann soll alles durch alle geteilt werden - Clemens, Jürgen und ich wollen auf alle Fälle mit dem ICE fahren, Stefan, Bernd und Michael fahren lieber mit dem normalen Zug. Rainer hat inzwischen 5 Tickets gekauft und wir verabschieden uns - Gernot und Melanie überlegen noch - plötzlich drängt die Zeit und Melanie vergisst fast ihre Skier als sie Richtung ICE startet. Gernot bleibt dann doch bei den anderen. Wir kaufen für Melanie noch ein Normalticket im Zug und teilen die Kosten durch 6. Um 22.20 Uhr sind wir dann in Nürnberg und um 23.30 Uhr bin ich im Bett.

Früh um 5.00 Uhr ist die Nacht rum. Immer noch besser als bei den anderen - dort ist der geplante und der nächste Zug auch noch ausgefallen - alles in allem waren sie um ca. 3.00 Uhr zu Hause und im Bett. Stefan hat seine Arbeit wirklich gut gemacht - aber die Sache mit der Heimfahrt von bis zu 11 Stunden geht auf das Konto "höhere Gewalt". Wir hoffen alle, dass unser Organisator und "Glücksbringer" Ingo nächstes Jahr wieder selbst mit von der Partie ist.

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